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Autogipfel - Zwischen Aufgabe und Stagnation
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Autogipfel - Zwischen Aufgabe und Stagnation

Die Köpfe der deutschen Autoindustrie haben sich im Kanzleramt getroffen. Herausgekommen ist - Nichts. Ein Sinnbild der deutschen Autopolitik.
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Die jüngste Ausgabe der Techlounge widmet sich dem Autogipfel in Berlin, zu dem Bundeskanzler Scholz eingeladen hatte. Die Diskussion drehte sich um die aktuellen Herausforderungen und Entwicklungen in der deutschen Automobilindustrie, insbesondere im Bereich der Elektromobilität.

Stagnation und fehlende Ergebnisse

Wir kritisieren deutlich die mangelnden Fortschritte und konkreten Ergebnisse des Gipfels. Trotz drängender Themen wie der Förderung der Elektromobilität, dem Ausbau der Ladeinfrastruktur und der Konkurrenz durch chinesische Automobilhersteller, blieben greifbare Beschlüsse aus. Es gab keine gemeinsame Erklärung oder konkrete Pläne, was auf eine Stagnation in der Branche hindeutet. Das muss man sich mal vorstellen. Da reisen die wichtigsten Führer der Autoindustrie nach Berlin, treffen sich mit den politischen Lenkern der Wirtschaft und am Ende kommt nichts raus. Dabei gibt es genug Themen, die im Moment geradezu brennen.

Wettbewerbsdruck durch internationale Hersteller

Ein zentrales Thema war der zunehmende Druck durch internationale Hersteller, insbesondere aus China. Chinesische Fahrzeuge wie der BYD Seal sind trotz Einfuhrzöllen deutlich günstiger als vergleichbare deutsche Modelle. Dieser Preisunterschied stellt eine ernsthafte Herausforderung für die deutsche Autoindustrie dar. Bisher tun sich zwar alle Hersteller schwer, ein günstiges E-Auto unter 25.000 Euro anzubieten, doch der Technologiegigant Deutschland hat in absehbarer Zeit nichts im Angebot. Ganz anders China und auch ganz anders Frankreich. Da hat Renault gerade mit dem Twingo, dem R4 und dem R5 gleich drei erschwingliche E-Autos vorgestellt. Und die deutschen Hersteller? Der I.D.2 kommt 2026 - vielleicht.

Versäumnisse in der Innovationsführung

Und dann gibt es das Versäumnis deutscher Hersteller, in der Grundlagenforschung und bei digitalen Innovationen führend zu bleiben. Während deutsche Autos in Bezug auf Qualität und Luxus weiterhin führend sind, hinken sie in der digitalen Integration und Benutzerfreundlichkeit hinterher. Klar, so ein Mercedes EQS ist ein technologischer Traum. Auch der neuer elektrische 7er von BMW ist auf der gleichen Höhe. Da ist alles drin, was man sich nur wünschen kann. Aber wo sind die kleinen Innovationen, die praktischen Erfindungen, die vor allem früher in Kleinwagen zu finden waren? Warum muss man 120.000 Euro ausgeben, um ein paar Innovationen zu bekommen? Die deutsche Autoindustrie stand mal für pfiffige Autos in der Mittelklasse. In dem Segment gibt es heute nur noch Infotainmentsysteme, die weniger können, als jedes Smartphone für 150 Euro.

Subventionen und politische Maßnahmen

Die Hersteller verweisen gerne auch den Kostendruck durch die Transformation zur E-Mobilität. Das ist richtig. Aber der ist auch entstanden, weil man noch fast ein Jahrzehnt lang am Dieselmotor festgehalten hat, während man in China schon die ersten Schritte in Richtung E-Mobilität unternommen hat. Jetzt muss man zehn Jahre Entwicklung in wenige Jahre pressen und das kostet natürlich Geld. Aber an Investitionen, sowohl vom Bund als auch von den Ländern, mangelt es in Deutschland für die Autoindustrie nicht.

Kein Ergebnis für die Ladeinfrastruktur

Immerhin gute Nachrichten gibt es vom Ausbau der Ladeinfrastruktur. 113.000 Ladepunkte gibt es mittlerweile in Deutschland. Damit liegt man weit vor der den geforderten Mengen der EU und damit ist man auch im europäischen Vergleich Spitzenreiter. Das Problem ist nur, dass die Ladeinfrastruktur geprägt ist von Kleinstaaterei. Wer zu einem E-Auto wechselt, darf sich mit hunderten Angeboten und Tarifen für Ladekarten entscheiden. Keine einzige davon funktioniert mit allen Ladesäulen in Deutschland. Und schon gar nicht im Ausland. Was fehlt, ist eine “Deutschland Card”, mit der man an jeder Ladesäule, ohne nachdenken zu müssen seinen Strom bekommt. Aber auch das wurde beim Gipfel nicht beschlossen.

Fazit

Trotz der Herausforderungen und der aktuellen Stagnation in der deutschen Automobilindustrie, insbesondere im Bereich der Elektromobilität, besteht noch Potenzial für Innovation und Fortschritt. Es ist dringend notwendig, dass Industrie und Politik zusammenarbeiten, um die Elektromobilität in Deutschland voranzutreiben und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie zu sichern. Je länger wir damit warten, desto mehr wird Deutschland und die Industrie international ins Hintertreffen geraten.

Links zum Thema

„Der Umstieg von Verbrennern auf E-Autos verläuft aktuell zäh“, sagt Friederike Piper, E-Mobilitätsexpertin bei der Organisation Transport and Environment. „Doch es sind noch lange nicht alle Hebel betätigt“. Die Autobauer könnten zum Beispiel deutlich mehr E-Autos in ihren eigenen Leasingfirmen anbieten. Der Vorteil, laut Piper: Der breiten Bevölkerung ständen E-Fahrzeuge billiger zur Verfügung – Neuwagen seien meist „teure Modelle für wenige Privilegierte“.
https://taz.de/Autogipfel-im-Bundeskanzleramt/!5972904/

Hätte man im Bundeskanzleramt wirklich über Mobilität, verschiedene Mobilitätsformen und etwa eine gerechtere Aufteilung der Flächen unter verschiedenen Mobilitätsformen sprechen wollen, hätte die Gästeliste auch diese enthalten müssen. Das haben unter anderem der ADFC, Vertreter:innen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), die Allianz pro Schiene, der Zweirad-Industrie-Verband und auch Greenpeace bereits hart kritisiert. https://www.heise.de/meinung/Kommentar-zum-Autogipfel-im-Kanzleramt-Von-wegen-Mobilitaet-7455366.html

Der Expertenbeirat Klimaschutz in der Mobilität des Verkehrsministeriums stellte in einem noch unveröffentlichten Papier klar fest, dass die 15 Millionen BEV 2030 ohne zusätzliche steuerliche Maßnahmen wie eine Bonus-Malus-Regelung nicht zu erreichen sind. Diese Regelung würde vorsehen, dass für klimaschädliche Autos bei der Zulassung hohe Steuern zu zahlen sind. https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/autogipfel-im-kanzleramt-15-millionen-e-autos-bis-2030-nicht-zu-erreichen-10845847.html

Viele hielten sich bei E-Autos noch zurück, erläuterte der ADAC. „Unsicherheiten über schwankende Strompreise, kaum bezahlbare Fahrzeuge, lange Lieferzeiten und teils fehlende Lademöglichkeiten tragen dazu bei.” In Deutschland bekomme die Kundschaft nur drei Modelle für weniger als 30.000 Euro, kritisierte der Club, der Millionen Autofahrer vertritt. https://www.wiwo.de/unternehmen/elektromobilitaet-autogipfel-mit-dem-kanzler-in-unsicheren-zeiten-/29523890.html

Elektroautos sind eine Möglichkeit, vergleichsweise rasch den CO2-Ausstoß zu reduzieren und sie finden bei den Bürgern schon heute breite Akzeptanz. Die Hersteller sind gefordert, nicht mehr nur einzelne Vorzeigemodelle voranzutreiben, sondern E-Fahrzeuge für jeden Bedarf anzubieten. Entscheidend ist aber vor allem, dass wir schnell eine flächendeckende Ladeinfrastruktur schaffen und unsere Stromnetze digitalisieren, um eine entsprechende Nachfrage auch befriedigen zu können. https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Bitkom-zum-heutigen-Auto-Gipfel-im-Kanzleramt

Inforgrafik der Woche: Diese Autos haben sich 2022 in den USA am besten verkauft.

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